Herrsching im Gespräch mit
Prof. Dr. Manfred Miosga

Ländliche Räume im Fokus – Wie gelingt uns ein sozial – ökologischer Wandel?

Am Mittwoch den 09.02.2022 fand erneut eine Diskussionsrunde aus unserer Online Reihe Herrsching im Gespräch statt. Dabei durften wir Herrn Prof Dr. Manfred Miosga, Präsident der Bayerischen Akademie Ländlicher Raum und Professor der Stadt- und Regionalentwicklung an der Universität Bayreuth, online begrüßen. Als weiteren Gesprächspartner konnten wir Antonia Kainz von der KLJB Bayern gewinnen. Diese war gemeinsam mit dem Direktor des Hauses Gunther Strobl, der den Abend moderierte, vor Ort im großen Saal im Haus der bayerischen Landwirtschaft in Herrsching. Dort verfolgte ebenso der 127. Herrschinger Grundkurs die angeregte Diskussion live mit. Alle anderen Zuhörer waren online dabei.

Zu Beginn begrüßte Gunther Strobl die Gäste Prof. Dr. Manfred Miosga und Antonia Kainz sowie alle Teilnehmenden des Abends. Weiterhin stellte eine Grundkursteilnehmerin den Grundkurs vor und gab Einblick in die Aktivitäten und Erfahrungen, die sie bereits gesammelt hat. Anschließend machte Herr Prof. Dr. Miosga auf die dramatische Situation hinsichtlich der Klimaerwärmung und der Artenvielfalt aufmerksam und rief dazu auf, die Krise endlich als Krise zu behandeln. Denn eine Transformation ist unausweichlich, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Zudem wurde darauf eingegangen welche Branchen am meisten Einfluss auf den Klimawandel bzw. am meisten betroffen sind vom Klimawandel. In Zuge dessen kann festgestellt werden, dass es eine Energie-, Ernährungs-, Wärme-, Mobilitäts- und Produktions- und Konsumwende braucht, damit der soziale und ökologische Wandel gelingen kann. Weiterhin wurde auf die dadurch entstehenden Herausforderungen für den ländlichen Raum hinsichtlich Wirtschaft und Konsum, Landnutzung und Fläche, Landwirtschaft und Ernährung und Mobilität Daseinsvorsorge eingegangen. Um den Vortrag abzuschließen gab Herr Prof. Dr. Miosga Anregungen, wie wir ein zukunftsstarkes Bayern gestalten können und schlug einen Runden Tisch für eine transformative Entwicklung des Landes vor. Danach gab Antonia Kainz Einblicke in die Green Friday Aktion der Arbeitsgemeinschaft Landjugend, die als Alternative zum Black Friday vom 23. – 27. November gelaufen ist.

Im Anschluss wurde diskutiert. Dabei erwartete das Publikum konkrete Tipps und Vorschläge, wie die Landwirtschaft richtig reagieren kann auf den Transaktionsprozess unter dem Aspekt der sozialen Gerechtigkeit. Herr Prof. Dr. Miosga empfiehlt den Landwirten, Naturschutzmaßnahmen voll auszuschöpfen. Er bestärkt sie zudem darin, Plattformen zu finden, wo neue Ideen hin zu einer klimafreundlicheren Landwirtschaft diskutiert und organisiert werden können. Gleichzeitig merkt er an, dass die Landwirte zwar oftmals versuchen in die richtige Richtung zu gehen, dafür aber nicht entsprechend honoriert werden. Weiterhin wurde der Flächenfraß in Bayern, sowie das Ziel den Flächenverbrauch auf 5ha pro Tag zu setzten, diskutiert. Dabei sieht Prof. Dr. Miosga das 5ha Ziel als festes Gesetz als problematisch und wünscht sich mehr eine Multifunktionslösung. Er hält einen Perspektivenwechsel für nötig, denn besonders für Menschen im ländlichen Raum sollen die erneuerbaren Energien attraktiver gemacht werden. Schließlich sind diese ausschlaggebend für die Durchführung einer Transaktion im ländlichen Raum. Zum Abschluss des Abends erklärte Antonia Kainz nochmal, wie wichtig der Dialog zwischen Politik, Landwirten und Verbrauchern ist. Prof. Dr. Miosga wies bestärkend auf die Dringlichkeit und Dramatik der Klimakrise hin.